Jun 03 2011

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Findegil

Sarumans merkwürdiger Wandel

Abgelegt 11:06 unter Erforschung

Wenn also die ersten der fünf Zauberer vor dem Jahr 1600 des Zweiten Zeitalters nach Mittelerde kamen, dann muss ihre Auswahl um diese Zeit stattgefunden haben. Saruman selbst aber bleib noch lange in Valinor, bevor er nach Mittelerde kam. Dies geschah wohl, weil durch das Eingreifen der Numenorer die akute Krise in der Mitte des Zweiten Zeitalters bewältigt wurde. Jedenfalls kamen Saruman, Gandalf und Radagast erst im Dritten Zeitalter nach Mittelerde [„Der Herr der Ringe – Anhänge“; Anhang B: „Die Aufzählung der Jahre“; Abschnitt: „Das Dritte Zeitalter“]:
„Als vielleicht tausend Jahre vergangen und der erste Schatten auf den Großen Grünwald gefallen war, erschienen die Istarí oder Zauberer in Mittelerde. Später hieß es, sie seien aus dem Fernen Westen gekommen und als Boten ausgesandt worden, um Saurons Macht zu bekämpfen und alle jene zu einen, die den Willen hatten, ihm zu widerstehen; aber es sei ihnen verboten worden, seine Gewalt mit Gewalt zu vergelten oder danach zu trachten, Elben oder Menschen durch Macht oder Schrecken zu beherrschen.
Sie kamen daher in der Gestalt von Menschen, obwohl sie niemals jung waren und nur langsam alterten, und sie besaßen viele Fähigkeiten des Geistes und der Hand. Nur wenigen enthüllten sie ihre wahren Namen und bedienten sich der Namen, die ihnen gegeben wurden. Die beiden Höchsten dieses Ordens (von dem es heißt, dass Fünf ihm angehörten), wurden von den Eldar Curunir, ‚der Mann des Wissens’, und Mithrandir, ‚der Graue Pilger’, genannt, aber die Menschen im Norden nannten sie Saruman und Gandalf. Curunir machte oft Fahrten in den Osten, wohnte aber zuletzt in Isengart. Mithrandir war am engsten mit den Eldar befreundet, wanderte meistens im Westen und hatte nie einen festen Wohnsitz.“

Die Bildung des Weißen Rates durch die Eldar und Istari findet im Jahr 2463 statt. Diese bedurfte sicher Sarumans Anwesenheit, denn immerhin wurde er zum Vorsitzenden des Rates bestimmt. Saruman wanderte also rund 1000 Jahre im Osten umher, bevor er in den Westen von Mittelrede zurückkehrte. Isengart nahm er aber noch später  als seinen Wohnsitz. Dazu heißt es [„Nachrichten aus Mittelerde“; Teil III: Das Dritte Zeitalter“; Kapitel V: „Die Schlachten an den Furten des Isen“; Anhang (2)]:
„Es ist also ohne weiteres zu verstehen, dass Sarumans Angebot, den Befehl über Isengart zu übernehmen, es instandzusetzen und es als Teil der westlichen Verteidigung wieder einsatzbereit zu machen, von König Fréalaf und vom Truchsess Beren begrüßt wurde. Als Saruman also seinen Wohnsitz in Isengart nahm und Beren ihm die Schlüssel zum Orthanc übergab, kehrten die Rohirrim zu ihrem Verfahren zurück, als verwundbarsten Punkt im westlichen Grenzgebiet die Furten des Isen zu schützen.
Es kann wenig Zweifel geben, dass Saruman sein Angebot in gutem Glauben machte oder zumindest mit Wohlwollen gegenüber der Verteidigung des Westens, solange er die Hauptperson in dessen Verteidigung blieb und das Oberhaupt seines Rates. Er war klug und erkannte klar, dass Isengart aufgrund seiner Lage und großen Stärke, natürlicher und künstlicher, von größter Wichtigkeit war. Die Linie des Isen, zwischen den Zangen von Isengart und der Hornburg, war ein Bollwerk gegen Einmärsche aus dem Osten (ob von Sauron angestachelt und angeführt oder auf andere Weise), die darauf zielten, Gondor einzuschließen oder in Eriador einzufallen. Doch am Ende wandte er sich dem Bösen zu und wurde ein Feind; und die Rohirrim, obwohl sie vor seiner wachsenden Heimtücke gegen sie gewarnt waren, fuhren dennoch fort, ihre Hauptmacht im Westen an die Furten zu verlegen, bis ihnen Saruman in offenem Krieg bewies, dass die Furten ohne Isengart nur ein geringer Schutz waren und gegen Isengart ein noch geringerer.“

Nach der Aufzählung der Jahre kam Saruman im Jahr 2759 des Dritten Zeitalters nach Isengart. Weitere Informationen kann man aus den Zusammenkünften des Weißen Rates ziehen. Aber leider haben wir nur von einem einen genaueren Bericht [eben dort; Kapitel IV: „Die Jagd nach dem Ring“; Anhang (3)]:
„Betreffend Gandalf, Saruman und das Auenland

Eine weitere Gruppe von Schriftstücken aus der gleichen Periode besteht aus einer großen Zahl unvollendeter Berichte über Sarumans frühere Geschäfte mit dem Auenland, besonders was das ‚Kraut der Halblinge’ angeht, ein Gegenstand, der schon in Zusammenhang mit dem ‚Südländer mit den schrägstehenden Augen’ (siehe oben) kurz behandelt wurde. Der folgende Text ist eine Version unter vielen, doch obwohl er kürzer ist als andere, ist er der abgeschlossenste.

Saruman wurde bald auf Gandalf eifersüchtig, und diese Nebenbuhlerschaft verwandelte sich schließlich in Hass, der tiefer war, weil er verborgen wurde, und desto bitterer, weil Saruman in seinem Herzen wusste, dass der Graue Wanderer die größere Stärke besaß und den größeren Einfluss auf die Bewohner Mittelerdes, wenn er auch seine Macht verbarg und weder Furcht noch Ehrerbietung verlangte. Saruman verehrte ihn nicht, doch er begann ihn zu fürchten, weil er immer im Ungewissen blieb, inwieweit Gandalf seine geheimsten Gedanken durchschaute, und er wurde durch sein Schweigen mehr beunruhigt als durch seine Worte. So kam es, dass er Gandalf offen mit weniger Ehrerbietung behandelte, als es andere der Weisen taten, und er war stets bereit, ihm zu widersprechen und seine Ratschläge abzutun; insgeheim dagegen merkte er sich alles, was Gandalf sagte, und grübelte darüber nach und ließ jede seiner Bewegungen beobachten, soweit er dazu imstande war.
Auf diese Weise geschah es, dass Saruman anfing, den Halblingen und dem Auenland seine Aufmerksamkeit zuzuwenden, die er sonst der Beachtung nicht für wert gehalten haben würde. Zuerst hatte er keine Ahnung, dass das Interesse seines Nebenbuhlers an diesem Volk in gewissem Zusammenhang mit den großen Angelegenheiten des Rates stand, besonders nicht mit den Ringen der Macht. Denn am Anfang gab es einen solchen Zusammenhang tatsächlich nicht, und Gandalfs Interesse war nur auf seine Liebe zu dem Kleinen Volk zurückzuführen, es sei denn er spürte jenseits seines wachen Verstandes in seinem Herzen eine tiefe Vorahnung. Viele Jahre lang hatte er das Auenland unverhohlen besucht und erzählte jedem von dessen Volk, der zuhören wollte; und Saruman lächelte wie über die eitlen Geschichten eines alten Landfahrers, doch nichtsdestotrotz war er auf der Hut.
Als er dann feststellte, dass Gandalf das Auenland für würdig hielt, es zu besuchen, tat er es ihm nach, doch verkleidet und unter äußerster Geheimhaltung, bis er alle Wege und Landstriche erkundet und sich eingeprägt hatte und danach glaubte, er habe alles erfahren, was man über das Auenland wissen musste. Und selbst als es ihm nicht länger klug oder nützlich erschien dorthin zu gehen, hatte er dennoch Spione und Diener, die das Land betraten oder ein wachsames Auge auf seine Grenzen hatten. Denn er war noch immer misstrauisch. Er war selbst soweit gesunken, dass er glaubte, jedes der anderen Ratsmitglieder habe verborgene und weitreichende Pläne zur eigenen Erhöhung, auf die alles, was sie taten, in gewisser Weise zurückzuführen sein musste. Als er also viel später etwas darüber erfuhr, dass der Halbling Gollums Rings gefunden hatte, konnte er nur glauben, dass Gandalf dies die ganze Zeit gewusst hatte; und das war sein größter Kummer, weil er alles, was die Ringe betraf, als sein ureignes Feld ansah. Dass Gandalfs Misstrauen gegen ihn verdient und berechtigt war, minderte seine Wut in keiner Weise.
Doch in Wahrheit hatte Sarumans Spionieren und große Heimlichkeit anfangs kein böses Ziel, sondern waren nicht mehr als eine aus Stolz hervorgegangene Torheit. Unbedeutende Dinge, die es nicht wert schienen, festgehalten zu werden, konnten sich doch am Rande als sehr wichtig erweisen. Die Wahrheit war nun folgende: Saruman hatte Gandalfs Vorliebe für das Kraut bemerkt, das er ‚Pfeifenkraut’ nannte (allein schon dieses Krautes wegen, sagte er, sollte man das Kleine Volk ehren), und es hatte ihm gefallen, darüber zu spotten, doch insgeheim machte er einen Versuch damit und begann bald, es zu gebrauchen; und aus diesem Grund blieb das Auenland für ihn so wichtig. Doch er befürchtete, dass dies entdeckt, sein eigener Spott gegen ihn selbst gerichtet werden und er wegen seiner Nachahmung Gandalfs ausgelacht und wegen seiner Heimlichtuerei verspottet werden könnte. Dies war damals der Grund für die große Heimlichkeit in seinem ganzen Umgang mit dem Auenland, selbst als zu Anfang noch kein Schatten des Zweifels auf das Land gefallen, es kaum bewacht und offen für diejenigen war, die es zu betreten wünschten. Deshalb hörte Saruman auch auf, persönlich dorthin zu gehen; denn es kam ihm zu Ohren, dass er von den scharfäugigen Halblingen nicht ganz unbeobachtet geblieben war; und einige, die die Gestalt sahen, als wäre es die eines alten Mannes, der in Grau oder Rostbraun gekleidet sich durch die Wälder stahl oder durch die Dämmerung schlich, hatten ihn mit Gandalf verwechselt.

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