Jun 03 2011
Sarumans merkwürdiger Wandel
In der ‚Aufzählung der Jahre’ verweist der Eintrag für 2851 auf das Treffen des Weißen Rates in diesem Jahr, als Gandalf einen Angriff auf Dol Guldur verlangte, doch von Saruman überstimmt wurde; und eine Fußnote zum Eintrag lautet: ‚Später wurde klar, dass Saruman seit jener Zeit den Einen Ring selbst zu besitzen wünschte und hoffte, er werde sich vielleicht auf der Suche nach seinem Herrn selbst offenbaren, wenn man Sauron eine Zeitlang in Frieden lässt.’ Die vorstehende Geschichte zeigt, dass Gandalf diesen Verdacht gegen Saruman zur Zeit des Rates von 2851 hegte; obgleich mein Vater später hinzufügte, es erhelle aus Gandalfs Geschichte über sein Treffen mit Radagast, die er vor dem Rat von Elrond vortrug, dass er Saruman nicht ernstlich des Verrates verdächtigte (oder der Begierde nach dem Ring selbst), bis er in Orthanc gefangengesetzt wurde.“
Von den weiteren Zusammenkünften des Rates findet man nur kurze Erwähnungen [„Der Herr der Ringe – Anhänge“; Anhang B: „Die Aufzählung der Jahre“; Abschnitt: „Das Dritte Zeitalter“]:
„2939 Saruman entdeckt, dass Saurons Diener den Anduin in der Nähe der Schwertelfelder absuchen und Sauron daher von Isildurs Ende erfahren haben muss. Er ist beunruhigt, sagt dem Rat aber nichts.
2941 … Der Weiße Rat tritt zusammen; Saruman ist einverstanden, dass Dol Guldur angegriffen wird, da er jetzt wünscht, Sauron daran zu hindern, den Fluss abzusuchen. Sauron, der seine Pläne gemacht hat, gibt Dol Guldur auf. …
…
2953 Letzte Zusammenkunft des Weißen Rats. Es wird über die Ringe gesprochen. Saruman gibt vor, er habe entdeckt, dass der Eine Ring den Anduin hinunter ins Meer gespült worden sei. Saruman zieht sich nach Isengart zurück, das er sich zu eigen nimmt und befestigt. …
…
ca. 3000 Der Schatten von Mordor wird länger. Saruman wagt den palantír von Orthanc zu benutzen, aber er wird von Sauron umgarnt, der den Ithil-Stein hat. Saruman wird ein Verräter an dem Rat. Seine Späher berichten, dass das Auenland von den Waldläufern streng bewacht wird.“
In einem Text über die Palantíri erfahren wir noch, dass der Palantir ein Beweggrund für Saruman war den Turm von Orthanc als Heimstatt zu wählen [„Nachrichten aus Mittelerde“; Teil IV; Kapitel III: „Die Palantíri“]:
„Der Orthanc-Stein scheint zu dieser Zeit von den Truchsessen längst nicht mehr beachtet worden zu sein: Er war für sie nicht mehr von Nutzen und lag sicher in seinem unbezwinglichen Turm. Sogar wenn er nicht allzu sehr von dem Zweifel an dem Ithil-Stein überschattet worden wäre, so stand er doch in einer Gegend, mit der sich Gondor weniger und zumeist mittelbar befasste. Calenardhon, niemals dicht bevölkert, war durch die Dunkle Pest von 1636 verheert worden und danach ständig durch die Auswanderung von Bewohnern númenónscher Abstammung nach Ithilien und in Länder näher am Anduin entvölkert worden. Isengart blieb persönlicher Besitz der Truchsessen, doch Orthanc selbst wurde im Stich gelassen, schließlich geschlossen und die Schlüssel nach Minas Tirith gebracht. Wenn Beren der Truchsess überhaupt an den Stein dachte, als er die Schlüssel Saruman gab, so meinte er vermutlich, dieser sei nirgendwo sicherer aufgehoben als in den Händen des Oberhauptes des Rates gegen Sauron.
Saruman hatte ohne Zweifel durch seine Nachforschungen eine besondere Kenntnis der Steine erlangt, die seine Aufmerksamkeit auf sich zogen, und die Überzeugung gewonnen, dass der Orthanc-Stein sich noch unversehrt in seinem Turm befinden müsse. Er erhielt die Schlüssel zum Orthanc im Jahr 2759, formell als Hüter des Turms und Statthalter des Truchsess von Gondor. Zu dieser Zeit schenkte der Weiße Rat der Angelegenheit des Orthanc-Steines kaum Aufmerksamkeit. Nur Saruman, der die Gunst der Truchsessen gewonnen hatte, hatte die Aufzeichnungen Gondors schon so ausgiebig studiert, um die Bedeutung der Palantíri und die Verwendungsmöglichkeiten der übriggebliebenen Steine zu erkennen; doch seinen Amtsgenossen sagte er nichts davon. Wegen seiner Missgunst und seines Hasses gegen Gandalf kündigte Saruman seine Mitarbeit im Rat auf, der 2953 zum letzten Mal zusammentrat. Darauf nahm Saruman ohne gehörige Erklärung Isengart als seinen eigenen Bereich in Besitz und schenkte Gondor keine weitere Beachtung. Der Rat missbilligte dies zweifellos; aber Saruman war ein freier Bevollmächtigter und hatte das Recht, wenn er wollte, gemäß seinen eigenen Vorstellungen im Widerstand gegen Sauron unabhängig tätig zu werden.
Der Rat in seiner Gesamtheit muss unabhängig davon von den Steinen und ihren uralten Möglichkeiten gewusst haben, doch er sprach ihnen keine große gegenwärtige Bedeutung zu: Sie waren Gegenstände, die der Geschichte der Königreiche der Dúnedain zugehörten, wunderbar und bewunderungswürdig, doch nun zum größten Teil verloren oder von geringem Nutzen. Es muss daran erinnert werden, dass die Steine ursprünglich ‚unschuldig’ waren und keinem bösen Zweck dienten. Es war Sauron, der sie unheilvoll machte und zu Werkzeugen der Willkür und der Täuschung.
…
… Es sei bemerkt, dass die Auswirkungen [der Benutzung der Palantíri] verschieden waren. Saruman fiel unter die Herrschaft Saurons, wünschte dessen Sieg oder arbeitete ihm nicht mehr entgegen. Denethor blieb in Ablehnung Saurons standhaft, doch man machte ihn glauben, dass sein Sieg unvermeidlich sei, und so fiel er der Verzweiflung anheim. Die Gründe für diese Unterschiede lagen in erster Linie darin, dass Denethor ein Mann von großer Willenskraft war, der sich die Unverfälschtheit seiner Persönlichkeit bewahrte bis zum entscheidenden Schlag, den ihm die (scheinbar) tödliche Verwundung seines einzigen überlebenden Sohnes versetzte. …“
Eine weitere und nicht ganz unwichtige Frage zu Saruman stellt sich allerdings noch: Kann er wieder menschliche Gestalt annehmen?
Die Elben und die Maiar waren unsterblich, aber das heißt nicht, dass ihre Körper unzerstörbar waren. Unsterblichkeit bedeutet in Mittelerde, dass die fea oder Seele eines Geschöpfes an die Welt gebunden ist solange diese besteht. Bei den Sterblichen dagegen verlässt die fea, wenn der Körper gestorben ist, die Welt und die Zeit und wir glauben, dass sie zu Eru zurückkehrt von dem sie einst kam. Für die Elben war eine Entkörperung nur temporär. Nach einer Zeit der Besinnung, Verbesserung und Heilung von erlittenen Leiden, konnten sie wenn sie es wollten und wenn Mandos ihre Fehl für geheilt hielt wieder verkörpert werden.
Wie wir aber eben festgestellt haben, war Saruman kein Elb sondern ein Maiar. Diese waren auch unsterblich und sogar noch etwas mehr als das, denn sie waren Wesen die nicht von Natur aus verkörpert waren, sondern sich ihren Körper nach eigenem Willen erschaffen und wieder aufgeben konnten. Jedoch wurde, wie wir oben gesehen haben, den Istari zur Auflage gemacht, dass sie sterblich wurden. Wenn also der Körper eines Zauberers tödlich verletzt wurde, dann mussten auch seine fea die Welt verlassen und vor den Schöpfer treten, wie Gandalf es tat als er nach dem Kampf mit dem Balrog auf der Silberzinne starb.
Jetzt wissen wir wie Saruman zu dem wurde, was er im Herrn der Ringe ist. Mal sehen was wir davon alles im Hobbit sehen werden.
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