Jun 20 2012
Nick Krützfeldt von WETA zum Hobbit
Das heutige Interview führen wir mit Nick Krützfeldt. Er stammt aus Verden (Aller) in der Nähe von Bremen und arbeitete von Anfang bis Ende 2011 bei WETA Workshop, unter anderem auch an den Hobbit-Filmen, als Special Effect Technician. Seine Leidenschaft zum Kostüm-und Maskenbau hatte er bis dahin eher hobbymäßig ausgelebt, denn der 22-Jährige ist seit 7 Jahren begeisterter Liverollenspieler.
Tolkiens-Welt.de: Du warst bei WETA und hast dort auch am Hobbit mitgewirkt, bist Du extra dafür nach Neuseeland gereist, oder warst Du bereits an anderen Filmen beteiligt?
Nick Krützfeldt: Der Hobbit war mein erster Film, an dem ich arbeiten durfte. Trotzdem bin ich extra für meinen Job bei Weta nach Neuseeland geflogen. Hätte ich den Job nicht gekriegt, wäre ich vielleicht Hippie geworden. Das wird man schnell, da auf dieser Paradies Insel! Ein Jahr da bleiben wollte ich ohnehin. Jetzt wurden es fast zwei.
TW: Wie kommt man eigentlich zu so einem tollen Job? War es ein Wunschtraum von Dir oder bist Du da eher hineingerutscht?
N.K.: Es war mein größter Traum, aber auch der absurdeste. Dass es dann doch geklappt hat, lag viel mehr an meiner nervigen Hartnäckigkeit, als an irgendetwas anderem. Glaube ich. Der Head des Office Managements bei Weta, Olivia, musste für mich oft ans Telefon gehen. Sie ist eine tolle Person. Hat mir nie meinen Traum platzen lassen, obwohl sie mich oft ablehnen mussten. Da ich immer leckeren Kaffee vom „Larder“ an der Ecke Camperdown Road mitgebracht habe, wurde ich ziemlich bald als der „coffee guy“ bekannt. Immerhin haben sie dadurch von mir geredet! Um die Frage konkreter zu beantworten: Nein, das war kein Zufall, sondern das nicht-aufgeben.
TW:Wie hat Dir das Land gefallen? Warst Du nur in Miramar, Wellington, oder hattest Du auch die Möglichkeit die tollen Landschaften zu sehen, die man bereits aus „Der Herr der Ringe“ kennt?
N.K.: Ich habe in Miramar gelebt. Dort hat man zu allen Seiten Meer und es ist fantastisch. Wenn es denn mal einen Sonntag frei gab, dann bin ich stundenlang am Meer spaziert. Das Meer ist dort übrigens blau. Nicht braun, wie unsere Meere hier. Echt blau!
Wellington gilt als coolste kleine Hauptstadt der Welt und ich würde nicht wiedersprechen. Internationalität, saubere Sozialpolitik und Gleichberechtigung sind mir „hinter den Kulissen“ im Gedächtnis geblieben. Verliebt habe ich mich dort in die Hafenstadt und die schönen Parks, die bunte Fußgängerzone „Cuba Street“ und das Sushi.
Natürlich habe ich alles von Neuseeland gesehen. Mit meinem Kumpel und gegen Ende nochmal mit meiner Freundin habe ich zwei unterschiedliche Reisen gemacht und so viel Natur wie möglich gesehen. Die Natur ist so wild, dass sie mich einmal angegriffen hat, und ich drei Wochen mit einem Stück Holz im Bein flach lag. Aber wo kann man gemütlicher krank sein als an einem See wie Lake Wanaka? In der Region um Queenstown habe ich dann humpelnd und auf Krücken die Orte Lothlorien, Isengard, den Standort der Argonath und viele andere Plätze gesehen. „The Hobbits Hideway“ in Wellington im Stadtpark Mt. Victoria lag auf meinem Weg, wenn ich mal nachts durchgefeiert habe und von der Innenstadt nach Hause musste. Da hat man aber irgendwie doch keine Angst vor den Nazgul. Daher konnte ich beruhigt ohne einen Kohlkopf zum Werfen nach Hause gehen
Achja, mit meinem Kumpel wollten wir ins Auenland einbrechen, weil es so viel Geld kostet, das zu sehen. Ein Farmer mit Pick-Up und Hund hat uns dann aber verjagt. Lustig wars allemal!
TW: Bei WETA durftest Du mit dem preisgekrönten Richard Taylor zusammenarbeiten. Was war das für eine Erfahrung für Dich?
N.K.: Richard habe ich zum ersten Mal an meinem ersten Arbeitstag auf der Toilette getroffen. Er lobte mich sehr für meine Mappe, während mir die Beine gezittert haben. Er ist ein unglaublich ehrgeiziger und erfolgreicher Mensch, der jedoch so viel Herz und Charakter bewahrt hat. Als meine Freundin nach Neuseeland kam, durften wir eine Woche umsonst in einem seiner Häuser wohnen, inklusive Meerblick, Kinogutschein und Essen. Er hat immer sehr viel für mich getan und sich oft nach meinem Befinden erkundigt. Ich glaube, besonders weil ich so jung war und so weit von Zuhause weg war. Er war eine krasse Konstante in meinem Arbeitsleben dort und ich bin ihm sehr dankbar für alle Inspiration und Freundschaft. Und natürlich für die unterschiedlichen Jobs in der Werkstatt, an die er mich rangelassen hat.
TW: Gab es für Dich die Möglichkeit auch einige der Schauspieler, oder sogar Peter Jackson persönlich kennenzulernen?
N.K.: Peter habe ich nie getroffen. Aber viele Schauspieler und Mitarbeiter. Es ist nicht so, wie man denkt, dass es sein würde. Keine Anzüge und kein Sekt. Man trifft den weisen Gandalf Sonntags am Meer beim Spaziergang, man wird beim Tritt vor die Tür von einer 13-köpfigen Kolonie kleiner Leute überrascht, die sich in der Nachbarschaft mal umsehen. Alles ist so klein und persönlich in Miramar. Alle wohnen dort und man läuft sich häufig über den Weg.
Ich jedoch wurde zum kleinen zwölfjährigen Fanboy als Orlando vor meinem Pult stand und sich meine Arbeit angesehen hat. Das war nicht Orlando, das war Legolas, mein Kindheitsidol
TW: Kennst Du eigentlich die alten Hobbittrickfilme? Wenn ja wie gefallen sie Dir?
N.K.: Irgendwie lassen die mich kalt. Verwöhntes, neumodisches Kind, ich!
TW: Kannst Du Dir vorstellen, dass der Hobbit ähnlich viele Oscarnominierungen bekommen wird, wie der Herr der Ringe?
N.K.: „You never work for an Oscar, you work for a movie“ sagte mal Richard zu mir, als ich ihn das gefragt habe.
TW: Wie alt warst Du, als Du den Hobbit das erste Mal gelesen hast?
N.K.: Sehr jung.
TW: Was gefällt Dir am Hobbit am Besten und wer ist Dein Lieblingscharakter?
N.K.: Im Buch habe ich keinen Lieblingscharakter. Aber im Film natürlich. Da darf ich aber erst drauf eingehen, wenn die Filme veröffentlicht worden sind. Bis dahin: Er ist sehr hässlich und sehr böse. Aber ich hab mich viel mit ihm beschäftigt. Ich hoffe, er kämpft. Und es ist nicht Smaug!
TW: Gefallen Dir bei „Der Herr der Ringe“ die Bücher oder die Filme besser?
N.K.: Ich mag immer, beides voneinander zu trennen. Es sind zwei verschiedene Medien. Ich denke, dass beide, Tolkien und Jackson, das Beste aus Literatur bzw. Film herausgeholt haben, was zu diesen Zeiten möglich war.
TW: Gibt es Schauspieler, die nur in „Der Herr der Ringe“ dabei waren, die Du im Hobbit vermissen wirst?
N.K.: Nein, vermissen werde ich sie nicht. Außerdem sind ja ein paar bekannte Gesichter dabei.
TW: Was hältst Du davon, das „Der Hobbit“ in 3D gedreht wird? Glaubst Du, dass bringt die Geschichte noch näher an die Zuschauer heran?
N.K.: Einen Film zu machen bedeutet ja nicht nur, eine Geschichte zu erzählen. Man wird gezwungen, mit der Zeit zu gehen. Jeder heute fühlt sich gezwungen, Facebook täglich zu nutzen, um auf dem neusten Stand zu sein. Für einen Filmemacher in dieser Größe gibt es nunmal keine Wahl. Er muss mit der Zeit gehen. Es geht schließlich auch um viel Geld. Was ich davon halte, ist nicht wichtig.
TW: Findest Du, dass noch andere Bücher von Tolkien das Potential haben verfilmt zu werden, oder sollte nach „Der Hobbit“ Schluß damit sein?
N.K.: Ich wäre eigentlich dagegen. Das Silmarillion ist in meinen Augen filmisch kaum umzusetzen.
TW: Aktuell arbeitest Du bei Area 51 in England, kannst Du uns verraten an was für Projekten Du dort beteiligt bist?
N.K.: Das Tolle an der Arbeit im Event Bereich ist, dass es keine vertragliche Schweigepflicht gibt. Ich habe zusammen mit meiner Freundin an einigen Sci-Fi Projekten gearbeitet. Wir hatten einen Job für eine Messe in Wales, für dessen Bühnenshow wir eine Alien Queen und zwei Aliens auf Digilegs gebaut haben. Digilegs sind tricky und schwer zu bearbeiten, da die Bewegung eine andere ist als beim menschlichen Bein ist. Dadurch ist viel zu erfinden und viel nachzudenken, das macht viel mehr Spaß, muss ich sagen. Außerdem hat man einen tollen Input, schließlich gibt es die Kostüme auf den Events zu sehen. Man arbeitet einen Monat oder zwei, dann sieht man, woran man gearbeitet hat. Um meinen Input für die Arbeit am Hobbit zu sehen, muss ich noch sehr lange warten!
TW: Würdest Du gerne noch einmal bei WETA arbeiten, wenn z.B. das Silmarillion verfilmt werden würde?
N.K.: Sehr gerne. Am liebsten im Sommer! Aber das war schon die richtige Zeit und der richtige Ort. Sowas wie den Hobbit wird es nicht noch einmal geben. Daher denke ich, dass ich diese Zeit als einmalig stehen lasse und sie für immer abspeichere, als nochmal zu versuchen, diese Luft zu riechen.
Wir bedanken uns bei Nick für das Interview und freuen uns bereits die Früchte seiner Arbeit demnächst in “Der Hobbit: Eine unerwartete Reise” bewundern zu können.
Das nächste Interview findet ihr am Mittwoch den 04. Juli. Unsere Interviewpartnerin wird Ute Hegel sein, deren Bild auch unsere Website ziert.
Keine Kommentare






