Mai 12 2010
Freier Text: Der kleine Orkling
Obwohl er sich alle Mühe gab, seine Spuren im Schnee zu verwischen, wußte er durchaus, daß aufmerksamen Augen seine Fährte sicherlich auffallen würde. Und die Elben hatten verdammt scharfe Augen. Es war überhaupt ein Wunder, daß er soweit gekommen war. Als seine Horde angegriffen worden war, war er gerade zum Bach gegangen, um seiner kleinen Nichte Wasser zu holen. Denn keiner hatte etwas gehört, lautlos war der Angriff gekommen und fast genauso schnell war er beendet worden. Er flüchtete sofort, denn er wußte, daß es keine Überlebenden geben würde.
Seitdem befand er sich auf der Flucht. Glücklicherweise hatte er ein gerade verendetes Wildschwein gefunden, so daß er nicht hungern mußte, trotzdem merkte er, daß er langsam ermüdete. Als sein Vater ihn mit auf die ersten Jagden nahm, war das irgendwie anders gewesen. Aber er konnte jetzt nicht mehr dabei sein. Sein Vater war vor drei Monaten von den Gesandten Saurons gemustert worden, um zu den Streitkräften Dol Goldurs hinzugefügt zu werden. Seitdem hatte er nichts mehr von ihm gehört; stattdessen hatte er bei der Horde seiner Verwandten (seine Mutter war bei der Pest zum Opfer gefallen) wohnen müssen. Dies war schon schlimm genug gewesen, denn diese waren roh und unzivilisert, weshalb er immer ein Außenseiter geblieben war.
Doch als dann die Boten kämen, und berichteten, daß die Elben aus dem goldenen Walde eine Offensive starten würden und ihre Siedlung nicht mehr sicher wäre, fing die wirkliche Leidenszeit erst an. Der Flüchtlingszug begab sich in Richtung Norden. Dort sollten sie eine andere Gruppe treffen, irgendwo in der Nähe des Grauen Gebirges.
Dies war auch jetzt noch sein Ziel, denn wohin sollte er sonst auch gehen? Wo sein Vater war, wußte er nicht, es konnte ihn wer weiß wohin mit seiner Einheit verschlagen haben. Seitdem irrte er dem Gebirge entgegen, denn obwohl er die grobe Richtung wußte, kam er oft von dem richtigen Pfade ab.
Inwischen hoffte er auch, den Nachstellungen der Elben entgangen zu sein. In allen seinen Träumen sah er ihre unbelebten Gesichter, in denen nur der Haß brannte, ihn und seine Sippe zu vernichten, die schrecklichen Elbenkrieger mit ihren gleißenden Rüstungen und ihren Waffen, die sich in den Geist fraßen.
Jetzt sah er vor sich eine kleine Quelle, das Wasser schien rein und klar zu sein. Nachdem er sich kurz umgesehen hatte, beugte er sich zum Trinken herunter. Da hörte er ein plötzliches Sirren. Er warf sich sofort zur Seite, doch es war schon zu spät. Elbenpfeile finden stets ihr Ziel.
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