Jan 01 2011
“Roverandom” von JRR Tolkien
Rover ist ein junger Hund einer alten Dame, der wenig Manieren hat.
Leider ist die erste Person in der Geschichte, die dies feststellt und
beschließt ihm eine Lektion zu erteilen, der Zauberer Artaxerxes. Er
verwandelt Rover in einen Spielzeughund und schickt ihn vom Fleck weg in
einen Spielzeugladen, damit er dort verkauft wird. Natürlich wird er bald
gekauft, weil er so realistisch aussieht. Aber Rover “läuft” von “dem
kleinen Jungen Nr. 1″ (seinem neuen Besitzer) weg und landet an einem
Strand. Dort beginnt für Rover eine abenteuerliche Reise, die er unternimmt,
um seine ursprüngliche Gestalt zurück zu erhalten. Im Verlauf der Reise gewinnt
er zwar viele neue Freunde, aber er verliert seinen Namen, denn bald wird er
von allen nur noch Roverandom genannt. Unter denen die ihm begegnen sind
neben zwei weiteren Zauberern auch der “kleinen Jungen Nr. 2″, den er besser
kennen und mögen lernt. Neben so phantastischen Orten wie der Insel der
Hunde, wo saftige Knochen auf Bäumen wachsen, oder der Bucht von Elbenheim,
kommt Roverandom auf dem Mond und in den Weltmeeren ganz schön herum. Wie er
zum guten Schluss mit Hilfe der “ältlichen, aber hübschen Tochter des
reichen Meerkönigs” seine wahre Gestalt zurück bekommt und wieso er, sowohl
der alten Dame als auch dem “kleinen Junge Nr. 2″ gehören kann, wird hier
nicht verraten. Denn schließlich sollten ja noch ein paar Überraschungen
fürs Lesen überbleiben.
Roverandom ist mehr als alle anderen Romane Tolkiens ein Kinderbuch. Tolkien
erzählte diese Geschichte um seinen “kleinen Jungen Nr. 2″ (Michael Tolkien)
zu trösten, als dieser einen innig geliebten Spielzeughund verlor. Als er
sie später aufschrieb gewann die Geschichte durch Hinzufügungen mehr und
mehr an Tiefe. Und so wird auch der geneigte, erwachsene Leser manche Stelle
zum schmunzeln finden, wenn Tolkien quer durch die Weltliteratur bekannte
Motive auf den Arm nimmt, oder mit Sinn und Klang von Wörtern spielt.
Natürlich verlieren einiger dieser Wortspiele in der deutschen Fassung an
Bedeutung, aber wo die sehr gelungene Übersetzung von Hans J. Schütz (oder
die Literaturkenntnis des Lesers) versagt, helfen die informativen
Anmerkungen der Herausgeber Christina Scull und Wayne G. Hammond.
Die Anmerkungen und das Nachwort, in dem die Entstehungsgeschichte des Romans
und seine Beziehungen zu andern Werken Tolkiens dargelegt werden, richten
sich sicher an den erwachsenen Leser und sind für Kinder eher schwer
verdauliche Kost, wenn nicht gänzlich ungeeignet.
Wer einige vergnügliche Stunden beim Lesen von “Tolkien” verbringen
möchte oder ein Buch zum Vorlesen für seine Kinder sucht, ist mit Roverandom
sicher gut bedient.
Wer aber mehr über die Mythologie erfahren will, die
hinter Tolkiens Hauptwerk dem Herrn der Ringe steht, wird von diesem Buch
enttäuscht sein. Auch wenn sich Roverandom, wie so viele Werke Tolkiens,
nicht völlig dem Sog dieser Geschichten entziehen konnte, wie die Bucht von
Elbenheim zeigt.
Holt euch gleich das Buch bei Amazon und taucht in die niedliche Geschichte ein.



