Jan 01 2011
“Die Legende von Sigurd und Gudrún” von JRR Tolkien
Das Buch gibt zwei Gedichte Tolkiens wieder. Das erste ‘Vösungakviða en nýja’ (Das neue Lied von den Völsungs) behandelt die Geschichte des Geschlechts der Völsungs von Völsung selbst bis hin zum Tode Sigúrds (Siegfried) des Drachentöters durch die Hand der Niflungen (Nibelungen). Das zweite Gedicht ‘Guðrúnarkviða en nýja’ (Das neue Leid von Gudrún) handelt vom weiteren Schicksal der Niflungen bis hin zu Gudrúns grausamer Rache an Atli (Atila dem Hunnenkönig) und ihrem anschleißenden Freitod.
Ergänzt werden die Gedichte durch eine Einleitung des Herausgebers Christopher Tolkien, durch ein Vorlesungsskript JRR Tolkiens zur Älteren Edda und durch erläuternde Kommentare, die ebenfalls aus Vorlesungskripten JRR Tolkiens zusammengestellt wurden. Im Anhang findet sich eine Kurze Erläuterung Christopher Tolkiens zur Herkunft der Geschichten und zwei Gedichte JRR Tolkiens: ‘The Prophecy of the Sibyl’ und das Fragment eines Gedichts über Attila in Altenglisch.
Die Gedichte sind in Stabreimen und lehnen sich im Inhalt und Erzählform an die nordischen Gedichte der älteren Edda an. Dies bedeutet, dass vom Leser eine gewisse Vertrautheit mit dem Stoff erwartet wird und der Poet nur die dramatischen Höhenpunkte ausschmückt. Nicht umsonst gibt Christopher Tolkien auf der Webseite des Tolkien Estates (www.tolkienestate.com) eine ergänzende Prosa Fassung der Geschichten, wie sein Vater sie hier erzählt.
Obwohl die Gedichte relativ kurz sind, ist in diesem Buch die Balance zwischen Gedichttext und Kommentar dennoch geglückt. Dies liegt sicher auch daran, dass viele der ergänzenden Texte ebenfalls aus der Feder von JRR Tolkien stammen und zum Teil schon an sich eine Veröffentlichung wert wären. Die deutsche Übersetzung von H.-U. Möhring ist sehr gut gelungen. Zudem druckt Klett-Cotta nicht nur die Übersetzung sondern auch das englische Original von Tolkien ab.
Nordische Sagen neigen zur Tragödie, so auch dieses Buch. Wer aber damit leben kann, dass am Ende die Helden samt und sonders in Walhalla einziehen, der findet hier manches Motiv, das Tolkien später auch an anderer Stelle wiederverwertete.
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